Weihnachten in verschiedenen Lebenssituationen
Das Weihnachtsfest berührt viele Menschen auf eine besondere Weise. Es ist das Fest der Gefühle, der besonderen Gerüche. Das Zusammensein bei Kaffee, Tee und Keksen, das gemeinsame Singen und Beten ist etwas Besonderes.
Die Geburt Jesu berührt uns immer wieder auf besondere Weise. Ein Kind wird in eine gar nicht perfekte Familie hineingeboren (im Stall in einer Krippe am Feld mit Ochs und Esel mit Mutter Maria und Stiefvater Josef).
Die Menschwerdung Gottes, die wir hier vor Augen haben, führt uns hin zu unserer „Menschwerdung“. Es wird deutlich, was wirklich wichtig ist: Nämlich Liebe und Zuneigung und nicht Geld und Vermögen. Zu Weihnachten werden die Prioritäten zurecht gerückt.
Weihnachten ist für viele Menschen aber auch ein trauriges Fest. Wenn ein geliebter Partner oder Elternteil gestorben ist, die Eltern sich getrennt haben, wenn ein Partner weggegangen ist oder die Einsamkeit unerträglich wird. Wozu soll man in dieser Situation Weihnachten feiern, wenn das Wichtigste fehlt? Kann unter solchen Umständen Feierstimmung aufkommen?
Menschwerdung findet auch statt, wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind. Manchmal findet sie erst unter schwierigen Umständen statt.
Erwartungen herunterschrauben
Es wäre gut, die hohen Erwartungen an Weihnachten zurückzuschrauben. Es muss nicht alles perfekt geputzt sein und nicht alle Familienmitglieder zufriedengestellt werden. Das Weihnachtsessen kann auch bescheiden sein und nicht alle müssen glücklich beisammensitzen. Man darf auch weinend, erinnernd, wehmütig oder glücklich alleine feiern.
Neue Rituale des Feierns
Für Menschen in „besonderen Lebens-Umständen“ ist es wichtig, eine ganz neue, passende Form des Feierns zu finden. Das gilt für alleinstehende Menschen, Singels genauso wie für getrennte Eltern, Patchworkfamilien und Familien mit Jugendlichen. Für sie alle sind die herkömmlichen Rituale nicht mehr stimmig.
Gefühle und Lebenserfahrung einbringen
Weihnachten macht wesentlich die Gebete, Lieder und Texte aus, die am Weihnachtsabend vor dem Christbaum gesprochen und gesungen werden.
Alleinstehende erleben vielleicht besonders die Einsamkeit, Alleinerziehende die Wut auf den Ex-Partner oder die Liebe zu den Kindern, Singels vielleicht die Sehnsucht, endlich einen Partner zu finden, Jugendliche die Kritik an der Tradition.
Eine gute Möglichkeit ist passende Texte und Lieder zu suchen oder selber zu schreiben, für jeden der Lust hat. Damit kann den jeweiligen Gefühlen Ausdruck verliehen werden. Gebete können tröstend wirken.
Feiern mit Jugendlichen
Die Mitgestaltung der Jugendlichen bei der Planung von Weihnachten ist besonders wichtig. Wenn Jugendliche Teile der Festgestaltung übernehmen (Lieder, Texte…), können sie ihr Leben einbringen. Sinnvoll ist es , den Festablauf rechtzeitig mit ihnen zu planen und gegenseitige Erwartungen zu klären.
Getrennte Eltern
Es ist wichtig, sich möglichst bald Gedanken zu machen, welcher Elternteil wann mit den Kindern Weihnachten feiert. So können die Kinder den hl. Abend mit dem einen Elternteil verbringen und Silvester mit dem anderen. Im Jahr darauf wird getauscht. Oder sie können den Vormittag und Mittag mit dem einen, und den Nachmittag und Abend mit dem anderen verbringen. Eine gute Absprache der Eltern im Sinne der Kinder ist wichtig, um eine passende Lösung für alle zu finden.
Stieffamilien
Ein hoher Erwartungsdruck an ein „normales“ Weihnachtsfest kann das Fest verderben. Wichtig ist, zu wissen: Es gibt keine leibliche Bindung und daraus gewachsene Liebe zwischen Stiefvater/mutter und Kind. Man muss nicht versuchen diese Liebe künstlich zu machen. Besser ist es, das Kind anzunehmen und zu versuchen, es zu verstehen. Je besser das Paar die Rolle des Stiefelternteils besprochen hat, umso leichter gelingt auch ein gemeinsames Fest.
Alleinstehende Menschen
Viele Alleinstehende haben Angst, am Fest der Familie einsam zu sein. Bildungshäuser bieten ein gemeinsames Weihnachtsfest an. „Weihnachten in Puchberg“ zum Beispiel ist eine Möglichkeit. (Infos im Schloss Puchberg unter 07242/ 475 37)
Viele Alleinstehende besuchen zu Weihnachten ihre Kinder oder gute Freunde und feiern mit ihnen das Fest.
Manche Menschen wollen Weihnachten aber auch ganz bewusst alleine feiern und gestalten sich einen schönen, feierlichen Abend und beschenken sich selbst.
Hotline
Es gibt 26 Ehe- Familien- und Lebensberatungsstellen der Diözese Linz. Dort können Sie sich Rat und Hilfe holen. Eine davon ist in Wels, in der Herrengasse 2. Zentrale Anmeldung in Linz: 0732/773 676.
beziehungleben.at
(gekürzter Artikel von Mag. Andrea Holzer-Breid, Referentin bei „beziehungleben.at“ der Katholischen Kirche in Oberösterreich)