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Predigt    
Aufstand gegen den Tod
Joh 20,1-9

„Was wäre, wenn es Ostern nicht gäbe, wenn die Auferstehung Jesu sich nicht ereignet hätte?“ -
Wäre Jesus dann nur ein Hingerichteter mehr?
Ein weiterer naiver, gescheiterter Weltverbesserer?
Wäre der Karfreitag dann das Ende? Tot und aus. Im Grab „verwest“ und so - im wahrsten Sinn des Wortes – ein „Gewesener“?
Wenn wir aber sagen, dass Jesus von den Toten „auferstanden“ ist, dann ist Jesus ist kein „Gewesener“, er ist ein „Gegenwärtiger“, „anwesend“ unter uns, „lebendig“ in uns und mit uns.
Und mit ihm alles, was Ihn ausgemacht hat.

Wenn er auferstanden ist, dann ist nichts verloren, von dem, was Er war, was er in diese Welt gebracht hat.
Nichts von der Liebe, die von ihm ausgegangen ist,
nichts von der Menschlichkeit, die in ihm lebte.
Nichts von der Hoffnung, die ihn getragen hat
und die er aufgeweckt hat in den Herzen der Menschen.
Auch nichts von der Herausforderung, die er für uns bedeutet.
Wenn Jesus auferstanden ist...?
Man kann jetzt herumstreiten: Ist er auferstanden, war das Grab leer? Kann das jemand bezeugen? Usw.

Ich möchte ganz anders fragen:
Wollen wir, dass er auferstanden ist?
Und dieses „Wollen“ verstehe ich als: wünschen wir es uns, sehnen wir uns danach.
Ist uns Ostern und Auferstehung ein Anliegen, eine „Herzenssache“?

Wenn ja, dann hat das Konsequenzen.
Wir können Ostern sehen, als einen Termin im Kalender. Ein paar freie Tage, schön, wenn das Wetter passt.
Ein bisschen Familie, Ostereier, Nesterl, und Haserl.
Und dann hat es sich schon. Das ist mir zu wenig.

Ostern ist nicht nur ein Termin. Ostern ereignet sich.
Und es ereignet sich nur dann, wenn wir es wollen.
Dann entfaltet sich die Energie dieses Festes.
Wenn wir es wollen, dann werden wir zu „österlichen“ Menschen. Und als solche entwickeln wir eine ganz andere Lebenseinstellung.
Wir werden zu Liebhabern des Lebens.
Wir „lachen den Tod aus“.
Wir setzen auf das Leben und widersetzen uns allem und allen, die das Leben verachten, bedrohen und vernichten.
Wir pflegen nicht die Gräber unserer begrabenen Hoffnungen, sondern sind voller Erwartung auf das Kommende.
Als Menschen, die Ostern wollen und an Auferstehung glauben, beteiligen wir uns am Aufstand Gottes gegen Tod und Verwesung.
Wir schaffen Lebens-räume. Wir setzen uns ein für Frieden und Gerechtigkeit.
Wir grenzen uns nicht ab, sondern sprengen Grenzen und lösen Vorurteile auf, weil wir allen das Leben gönnen.
Wir schauen auf Benachteiligte, auf die Schwachen und Armen, wir fördern sie, damit sie zum Leben kommen, oder am Leben bleiben.
Ostern ereignet sich, wenn wir dem Leben trauen, dem Leben in seiner Vielfalt.
Ostern ereignet sich, wenn wir an die Liebe glauben,
trotz allem, was scheinbar dagegen spricht.

Ostern hält uns „am Leben“, offen und wach.
Und auch kritisch und widerständig, überall dort,
wo die Menschlichkeit verraten wird,
die Liebe geschändet, das Leben zerstört wird.

Ostern, liebe Mitchristen, ist „notwendig“ im wahrsten Sinn des Wortes. Es ist wichtig, dass wir dieses Fest wollen. Ja, es auch schützen vor Verniedlichung und Verkitschung.
Dieses Fest, das rund um die Welt von den Christen gefeiert wird, macht uns zu Verbündeten gegen den Tod und für das Leben.. Es stärkt uns, dem Leben zu dienen,
dem Frieden und der Menschlichkeit.

Ich bin mir sicher, liebe Schwestern und Brüder:
Wir wollen, dass es Ostern gibt.
Sonst wären wir nicht hier.
Ich wünsche uns allen, dass wir österlichen Menschen
sind und immer mehr werden:
leidenschaftliche Liebhaber des Lebens,
begeistert im Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden,
widerständig und „aufständig“ gegen alles Niedermachende und Zerstörerische.

So lasst uns jetzt „aufstehen“,
lasst Orgel und Glocken erklingen
und lasst uns von Herzen bekennen und singen:
Der Heiland ist erstanden! Halleluja.
 

Predigt zum 31.03.2018 von Johann Bräuer

 
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