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Predigt    
"Bei uns ist der Kunde noch König"
Joh 18,33b-37

Liebe Pfarrgemeinde!

„Bei uns ist der Kunde noch König“, heißt es ab und zu in einem Geschäft, das die persönliche Bedienung hoch hält. „In diesem Job wirst du fürstlich bezahlt“, heißt es, wenn das Gehalt in einem Betrieb schwindelerregend ist. „Einmal König, oder Königin zu sein, das wär schon was“, hört man hin und wieder von Leuten, da hätte ich ausgesorgt. So wie der oder die Lottomillionärin vom Mittwoch, mit über 14 Millionen Euro Gewinnsumme. Wobei wirkliches Glück in meinen Augen anders aussieht.
Mit „König“ verbinden wir jedenfalls Einfluss, Macht über andere und Reichtum.
Könige und Kaiser waren einst die obersten Führer und Führerinnen ihrer Völker, teilweise alleinige Gesetzgeber, Herren über Krieg und Frieden. Sie hatten hohe Verantwortung und waren immer auch in Gefahr ihre Macht zu missbrauchen. Die römischen Kaiser zur Zeit Jesu herrschen mit eiserner Hand und waren großteils grausame Feldherren. Vor 100 Jahren hat der letzte Kaiser in Österreich abgedankt, der unter anderem den 1. Weltkrieg mitverschuldet hat. Das ist noch nicht so lange aus.

Wie können wir auf diesem Hintergrund Jesus von Nazareth als König feiern?
Macht, Glanz, Reichtum, Krieg, das waren nicht seine Leidenschaften, im Gegenteil!
Einer, der den Menschen aus der Patsche hilft, selbstlos, ohne dafür Lob zu erwarten. Der nicht Gericht hält, sondern selbst vor Gericht steht. Niemand ist ihm zur Seite, niemand ergreift für ihn Partei, niemand rettet seine Ehre. Ist so einer als Vorbild und Souverän geeignet, zu dem man aufschauen kann?
Wie stehen wir dazu? Vielleicht trösten wir uns mit dem „Gottessohn“, dem „auferstandenen Herrn“, den „Sieger über den Tod“. Und das stimmt ja auch alles. Und trotzdem stirbt er einen jämmerlichen Tod, den man seinem ärgsten Feind nicht wünscht.
Jesus Christus, der König?

(Dornenkrone)
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“
Es sind andere Werte, die für diesen „König“ gelten. Man kann ihn eher einreihen in den Archetypus des Königs, der nach Gerechtigkeit und Frieden für alle strebt.
Es geht ihm nicht um schlaue Diplomatie, um die Macht zu erhalten, nicht um schöne Worte, um die eigene Haut zu retten. Nicht um Macht und Einfluss um jeden Preis, um seine Person in den Vordergrund zu stellen und gelobt und geliebt und gewählt zu werden.
Leben, und wenn es sein muss sterben für die Wahrheit Gottes ist sein Regierungsprogramm. Mit versöhntem Herzen zu kämpfen, könnte man diese Haltung politisch beschreiben.
Den Keim der Liebe, des Vertrauens und der Menschlichkeit zu säen und alles auf Gott zu setzen, ist seine Vision.
Die Wahrheit Gottes wird sich Gehör verschaffen, ist seine Überzeugung und diese Wahrheit des Friedens und der Gerechtigkeit für alle wird ansteckend sein und immer wieder Menschen in den Bann ziehen und sich so immer mehr verbreiten. Jenseits von Erfolgsdenken, Rechthaberei und Beifall.

Es ist schon faszinierend mit welcher Freiheit, Sicherheit und Gelassenheit Jesus an sein Leben, seine Berufung und auch an die tödliche Bedrohung herangeht. Immer fest überzeugt von der Liebesbotschaft Gottes für die Menschen. Man hat immer den Eindruck, dass er sehr souverän im Leben steht, fast ein wenig über den Dingen.
In diesem Sinn kann man Jesus von Nazareth durchaus als „Souverän“, und meinetwegen auch als „König“ bezeichnen. Aber immer in dem archetypischen Sinn, als Repräsentant der frohen Botschaft von einer Welt des Friedens, der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Liebe und Gemeinschaft für alle Menschen.
Wer diese Botschaft ernst nimmt, ist imstande am Reich Gottes mitzuwirken, das seit Anbeginn der Welt gegenwärtig ist und nach Ausbreitung strebt.

Auch wir sind aufgefordert, an diesem Reich Gottes mitzuwirken. Partei zu ergreifen für Schwache und Benachteiligte, Partei zu ergreifen für die Erhaltung der Schöpfung, Partei zu ergreifen für Gerechtigkeit und Frieden, Partei zu ergreifen für die Wirklichkeit Gottes, die sich im „Souverän“ Jesus von Nazareth gezeigt hat.
Amen.
 

Predigt zum 25.11.2018 von Andreas Hasibeder

 
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