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Pfarre Wels-St.Josef

Predigt

Johann Bräuer
Gott sei Dank!
Predigt vom 06.10.2019 von Johann Bräuer
Venus trifft Erde im Weltall.
„Du siehst krank aus. Was hast du?“- fragt besorgt die Venus. - „Ich habe Menschen!“ – stöhnt die Erde.
„Nicht so schlimm. Das vergeht!“ – sagt die Venus.

Eigentlich ein böser Witz. Er sagt aber doch viel Wahres aus. Die Erde ist krank. Es geht ihr nicht gut. Sie schaut nicht gut aus. - Und schuld daran ist der Mensch:
„Ich hab Menschen.“ – Ist der Mensch die „Krankheit“, an der die Erde leidet?
Die Venus sagt: „Das vergeht!“ – Das meint doch: Der Mensch „vergeht“, richtet sich selber zu Grunde, wenn er seinen Lebensraum – die Erde – krank macht und zerstört.
Greta Thunberg, dieses mutige Mädchen aus Schweden, hat mit ihrer Aktion „Fridays for Future“ auf der ganzen Welt die Menschen, vor allem die Jugend aufgeweckt.
Ihr Beispiel regt viele andere an, auf die Straßen zu gehen und zu demonstrieren, für eine lebenswerte Zukunft. Keine politische Partei kann sich leisten, auf die „Klimakrise zu vergessen. Wie es der Wahlkampf ja gezeigt hat.

Ja, es ist gefährlich, wie gedankenlos wir Menschen umgehen mit unserem Planeten.
Ohne Rücksicht und ohne Verantwortungsgefühl für die nächsten Generationen wird ausgebeutet und zerstört,
verschmutzt und vernichtet.
Ja, es ist schlimm, wie umgegangen wird mit den Gütern dieser Erde. Mit dem, was uns zum Leben dient.
Mit den „Lebensmitteln“ ganz konkret.
Nur ein Beispiel: An einem Tag – so habe ich gelesen – wird in Wien soviel Brot weggeworfen, wie in Graz gekauft wird. - Da stimmt doch was nicht!

Es fehlt weithin an Achtung, an „Ehrfurcht“, um dieses altmodische Wort zu verwenden, vor der Schöpfung und dem, was sie hervorbringt.
„Wir kennen von allem den „Preis“ – aber von nichts mehr den Wert!“ – sagt ein Kritiker unserer Zeit.
Am „Preis“ und damit am Geld hängt alles.
Was den eigentlichen „Wert“ einer Sache, einer Arbeit, einer Frucht, letztlich auch eines Menschen ausmacht – das Gefühl dafür geht scheinbar verloren.

Ich möchte aber nicht ins Schimpfen verfallen oder ins Anklagen.
Ich möchte vielmehr einladen,darüber nachzudenken, was wir dem entgegensetzen können.

Wir feiern „Erntedank“.
Und dieses Fest ist ein ganz wichtiges Zeichen.
Wir danken für die Ernte – d.h. wir nehmen es nicht als selbstverständlich hin, was wir im Laufe eines Jahres „ernten“ dürfen.
Wir sind dankbar für alle „Lebensmittel“, die uns nicht nur am Leben halten sondern auch genießen können:
weil sie gut schmecken, weil sie gesund sind.
Wir schätzen auch die Arbeit, die dahinter steckt.
Wir sind dankbar, allen, die diese Arbeit leisten.
Und wir vergessen nicht, dass letztlich alles ein Geschenk ist.
Bei aller Leistung des Menschen, bei allem Fortschritt in der Wissenschaft, in der Forschung, in der Technik – es bleibt ein Geheimnis um das Wachsen und Gedeihen, das Blühen und Reifen in der Natur.
So ein kleines Samenkorn, das vielfältige Frucht hervorbringt – es galt immer schon und auch heute noch - als Wunder.
Die bunte Vielfalt der Früchte, die uns als Nahrung dienen – Obst und Gemüse und was es da so alles gibt – war immer schon Grund zum Staunen, für jeden, der sich ein wenig den Blick bewahrt hat für das, was hinter den Dingen steckt.
Das Zusammenspiel von Sonne und Regen, von Tag und Nacht, der Wechsel der Jahreszeiten, alle Gegebenheiten, die das Wachsen bedingen und ermöglichen, lassen uns jedes Jahr wieder neu staunen und dankbar sein.
Um diesem Staunen und Danken auch Raum zu geben,
deswegen feiern wir „Erntedank“.

Die Dankbarkeit motiviert uns zu einem respektvolleren Umgang mit der Schöpfung, zu einem sorgsameren Umgang mit den „Früchten der Erde“, mit den Lebensmitteln. Auch zu einem gerechteren Umgang mit denen, die diese für uns produzieren.

Auch wenn unsere Erde „schlecht ausschaut“ weil sie „Menschen hat“, weil es wirklich viel krank machendes Verhalten der Menschen gibt – es gibt auch viel Positives und Erfreuliches und Heilsames. „Gott sei Dank!“

Es gibt Beispiele für ein Umdenken und für einen verantwortlicheren Umgang mit der Schöpfung.
Diese Beispiele sollten wir beachten, nicht als unmöglich
abtun.
Ich möchte nur das Stichwort „Fair Trade“ nennen:
ein fairer Preis für die Waren,
ein fairer Lohn für die Arbeit..
Oder auch der Trend zu Bio – Waren und die Bevorzugung regionaler Produkte.
Es gibt vielen kleine Projekte.
Es gibt mutige, manchmal auch lästige, „Propheten“ und „Prophetinnen“ unserer Zeit, so wie die junge Greta Thunberg eine ist. Aber viele andere auch.
So kommt doch einiges in Gang, was für die kranke Erde „heilsam“ sein kann.

„Gott sei Dank!“ – oft kommt uns dieser Ausspruch gedankenlos über die Lippen.
Heute wollen wir es ganz bewusst sagen:
Gott sei Dank – für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit und für alles, was uns leben lässt,
Amen.