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Pfarre Wels-St.Josef

Predigt

Liebe Menschen, die ihr hier seid!
Ansprache vom 08.11.2020 von Margot Brucker
Mt 25,1-13

Es stellt sich die Frage: Wer wird Zugang zum Himmelreich haben, wer nicht? Diese Frage beantwortet Jesus in mehreren Gleichnissen, dieses heutige ist das mittlere von dreien in Folge.
Es ist ein Bild, das zum Nachdenken anregt. Da gehen 10, sichtlich von Vorfreude ergriffene Brautjungfern dem Bräutigam entgegen. Fünf von ihnen gehen leichten Fußes und schwingen kichernd ihre Lampen im Rhythmus ihrer tänzelnden Schritte. Die fünf anderen haben ebenso ihre Lampen dabei, in der jeweils anderen Hand aber tragen sie einen Krug mit Öl. Das Gehen dieser anderen 5 Brautjungfern wirkt nicht ganz so tänzelnd.
Auf der einen Seite die 5 unbeschwerten, auf der anderen Seite die 5, die eine zusätzliche Last auf sich genommen haben und so offensichtlich an Leichtigkeit einbüßen. Es stellt sich ganz klar die Frage: Ist es das wert? Zahlt es sich aus, dieses zusätzliche Gewicht des Öls auf die Schultern zu nehmen?
Ja. Glück gehabt. Die 5 Jungfern mit dem Öl haben die Erwartungen des Bräutigams anscheinend erfüllt, sie dürfen ihn in den Hochzeitssaal begleiten. Die anderen 5 jedoch müssen sich viel zu spät um die Beschaffung des Öls kümmern und werden dann nicht mehr eingelassen. Der Bräutigam sagt sogar: "Ich kenne euch nicht." Wow. Die 5 Jungfrauen ohne Öl sind nicht nur abgeblitzt, sondern es wird ihnen sogar ihre erkennbare Identität abgesprochen.
Zugegeben, dieses wie auch die anderen beiden Gleichnisse der Endzeitrede haben für mich in ihrer Radikalität der Unterscheidung einen verstörenden Charakter. Es wird unterschieden zwischen gut und böse, klug und töricht, fleißig und faul. Es gibt kein dazwischen. Nur ein Ja, du kommst ins Himmelreich, und ein Nein, du musst draußen in der Finsternis bleiben. Jesus sprach oft in Gleichnissen. Mit ihnen wollte er verständliche Bilder in uns entstehen lassen, die uns das Urteilen erleichtern. Und Vergleiche müssen sich nun mal dem Stilmittel der Überzeichnung bedienen, sodass der Unterschied zwischen den verglichenen Seiten erkennbar wird.
Also, was will Jesus uns mit diesem Bild von den 10 Jungfrauen zu verstehen geben?
Die 5 klugen Jungfrauen haben mit der Mitnahme des Öls selbst die Verantwortung dafür in die Hand genommen, dass ihre Lampen am Leuchten gehalten werden. Das Öl ist der Stoff, der ihre Lampen am Leuchten hält. Um diesen wichtigen Stoff haben sich die einen gekümmert, die anderen 5 aber haben ihn einfach vergessen oder darauf vertraut, dass dieser Stoff ihnen dann geschenkt wird, wenn er notwendig werden würde.
Lampen ohne Öl sind wie Glauben ohne Hingabe. Ohne Hingabe, ohne mein wirkliches Ja zu meinem Glauben an die Liebe Gottes, ohne die Bereitschaft, etwas zu geben für meinen Glauben und dadurch ein gewisses Wagnis einzugehen, auch enttäuscht zu werden, fehlt dem Glauben die Substanz. Ich selbst fehle da in diesem Glauben. Ich zeige mich nicht in meinen Gebeten. Ich wende mich Gott nicht wirklich zu. Genauso wie ich in den Beziehungen mit meinen Mitmenschen verborgen bleibe, mich in mir verberge, um nicht erkannt zu werden.
Ja. So ist das. Aber es nicht einfach. Es ist nicht einfach, in schweren Zeiten, im Angesicht von Leid, Depression, Tod, Einsamkeit, Angst, Krieg, nicht zuletzt Terror, zu Gott überhaupt zu sprechen, wenn es uns doch die Sprache verschlägt. Es ist schwierig an Gottes Zusage zu glauben, wenn die eigenen Gebete nicht erhört wurden. Es ist auch in Pandemie-Zeiten, in Zeiten der Einsamkeit, so mancher ausgefallenen Feste und Lebensinhalte, in Zeiten der existentiellen Ängste, nicht immer einfach, vertrauensvoll zu bleiben. Sollten wir nicht besser, so wie die Jungfrauen ohne Öl einfach davon ausgehen, dass, wenn es Gott gibt, wenn er wirklich dieser bedingungslos liebende Gott ist, Er sich um die Brennstoff unseres Glaubens kümmert? Wenn Gott will, dass wir an Ihn glauben, warum sorgt nicht Er dafür, dass unsere Lampen am Brennen gehalten werden?
Ich denke, die Antwort darauf ist die, dass er uns die Entscheidung überlässt. Gott lädt uns zur Hochzeit an. Er bietet uns Sein Licht an. Uns um den Brennstoff zu kümmern, der das Licht in uns am Leuchten hält, das liegt in unseren Händen. Dass wir uns darum kümmern, erwartet Er von uns. Und genau diese Erwartung ist es, die uns eine Entscheidung für oder dagegen ermöglicht und uns somit zu selbstbestimmten Individuen macht.
Etwas von Anderen zu erwarten ist nicht gerade modern. Wie oft heißt es: "Du kannst doch nicht von mir erwarten,...", "Du setzt mich viel zu sehr unter Druck mit deinen Erwartungen", oder einfach "Schraub deine Erwartungen nicht zu hoch, dann wirst du nicht enttäuscht". Jesus aber drückt seine Erwartungen an seine Jünger und seine Mitmenschen meist ganz klar aus. Er macht sich damit verletztlich, er gibt sich wahrlich hin. Mag sein, dass das seine Mitmenschen unter Druck gesetzt, sie vor schwierige Entscheidungen gestellt hat. Zugleich aber hat Jesus ihnen so etwas zugetraut, sie für voll entscheidungs- und handlungsfähig genommen.
Je mehr ich darüber nachdenke und hinspüre, desto klarer wird mir, wie schlimm es wäre, wenn Menschen, mit denen ich in engen Beziehungen lebe, nichts von mir erwarten würden. Ja, manchmal setzen mich Erwartungshaltungen auch unter Druck. Zugleich aber sind sie auch immer ein Anspruch an mich. Sie sind "Ich traue dir etwas zu".
Genau das ist es, was Gott tut. Er traut uns etwas zu. Er schätzt uns als verantwortungsbewusste und starke Persönlichkeiten ein, die fähig sind, selbst für die Nahrung ihres Glaubens Sorge zu tragen. Damit macht er uns groß.
Das Licht Gottes leuchtet. Immer. Ob es aber in UNSEREN Lampen leuchtet und nicht gleich erlischt, das liegt in unserer Macht.
Was genau dieser Stoff, diese Glaubensnahrung ist, das muss wahrscheinlich jeder selbst für sich beantworten. Eine davon nehmt ihr wohl gerade wahr, indem ihr hier seid. Dadurch fühlen wir uns verbunden. Wir sind alle hier und sorgen uns darum, unseren Glauben an Gott, an das Gute, an die Liebe, durch das Miteinander und das gemeinsame Mahl zu nähren. Im Grunde ist es gar nicht so viel, was von uns erwartet wird. Das Licht Gottes, das wird uns geschenkt. Wir können unsere Lampen damit zum Brennen bringen. Und dann müssen wir nur immer wieder dafür sorgen, dass eine neue Kerze da ist, wenn die alte zu erlöschen droht.
Danke, dass ihr hier seid.
Amen.